Peter Andres · Retrospektive

Der Anfang

Die Gebrauchsanleitung fürs Leben — eine Art interaktives Buch
Eine Retrospektive, ein interaktives Buch über mich, mein Leben und meinen fotografischen Werdegang.

Heute ist in jeder Hosentasche eine Kamera. Einst war das anders. Eine Kamera war ein kostspieliges Instrument und dazu nicht einfach erfolgreich zu bedienen.

Die erste Kamera erhielt ich von meinem Vater. Er hatte sich für seine Architekturaufnahmen eine der neuesten Spiegelreflexkamera erstanden. Einer Nikon F. Daher erhielt ich seine alte Kamera. Die Nikon F erhielt ich einige Jahre später. Sie war lange Zeit mein treuer Begleiter bis auch sie einer F3, F5 und einigen andern weichen musste.

Teil 2: Der Anfang

Die ersten Kameras

Mein Vater war Architekt und brauchte, um seine Bauten zu fotografieren einige Kameras. Aber was macht man mit den Ausrangierten? Idealerweise erhielt ich die ersten bereits als ich etwa 15 Jahre alt war. Von den frühen Fotos fand ich sogar noch einige im Archiv. Spektakulär sind sie aber nicht.

Bald darauf zeigte mir mein Vater die grundlegenden Möglichkeiten zur Filmentwicklung und der Vergrösserung der Schwarz/Weiss-Bilder. Das war der Anfang von etwas mehr als nur einer Leidenschaft.

Unsere Namen sind Schäru, Türu und ich, der Pesche.
Es war die grosse Reise von Bern nach Ascona. Natürlich mi Töffli.
Eugen war nicht dabei. Er kommt erst später in mein Leben. Das dauerte noch etwa 10 Jahre.

Wozu ist eine Kamera?

Wie man eine Kamera braucht, war mir bald klar. Blende, Belichtungszeit und ISO–Werte (damals noch DIN) und wie das alles zusammenspielte wurde mir rasch klar. Auch dasjenige, was man mit der Kamera alles machen kann wurde mir bald bewusst.

Draussen herum zu fotografieren war schön, aber mit der Kamera zu experimentieren hatte auch seine Reize. Erste systematische konzeptionelle Arbeiten begannen. Es war der Einstieg in die Mikrofotografie. Die Bilder zeigen Kristallisationen im polarisierten Licht, Strukturen von nur wenigen Millimeter Grösse. Mit diesen Bildern entstand auch mein erstes Fotobuch. Es enthält Vergrösserungen auf Cibachrom, die ich in der Dunkelkammer eigens herstellte.

Meine erste konzeptionelle Arbeit 1976

Kristallisationen von Entwicklerflüssigkeit im polarisierten Licht, Strukturen von nur wenigen Millimeter Grösse.

Für die Aufnahmen verwendete ich normale Diafilme mit einer Spiegelreflexkamera. Nur die Objektive waren speziell. Sie stammten von alten 8-mm Filmkameras, welche ich in der Retrostellung verwendete. Dadurch war technisch eine bessere Abbildung möglich, denn die Objekte, die ich fotografisch festhalten wollte, waren nur ein paar Millimeter gross. Gute Fotos wären mit normalen Kleinbildobjektiven nicht möglich gewesen.

Natur

Und draussen?

Natürlich fotografierte ich auch grössere Serien in der Natur: Nebellandschaften, kurz vor oder nach Sonnenaufgang. Heute sehe ich diese Arbeit aus einem völlig anderen Blickwinkel: Die Bilder entstanden kurz vor meinem Coming-Out. Sie reflektieren mein damaliges inneres Gefühl. Dieser innere Zustand änderte sich kurz darauf. Meine Bilder wurden radikal anders!

Solothurner Bildserie Früh morgens im Nebel, meist vor oder kurz nach Sonnenaufgang im Oktober und November fotografiert.
Urban

Etwas näher?

Bern, auch Biel waren auch mein Foto-Eldorado. Tausende Bilder sind über viele Jahre entstanden.

Die ersten Asien-Reisen

Chieng Mai

Kurz nach meinem Studium konnte ich mir meine erste grosse Asienreise leisten. Sri Lanka, Thailand, Philippinen und Indonesien. Sie dauerte ein halbes Jahr. Noch heute, nach über 40 Jahren, profitiere ich immer noch von all den Erfahrungen; eine grosse Bereicherung meines Lebens.

Mein Gepäck bestand hauptsächlich aus Kameras, Objektiven, Schwarz-Weiss- und Diafilmen. Das übrige hatte auch noch gerade Platz im Rucksack.

Chiang Mai, Thailand 1977 Schon damals gabs allerhand zu kaufen. Natürlich auch das Honey-Moon Set.
Nördlich Chiang Mai Diese Brücke führte über den Kok-River

Nach holperiger Fahrt mit einem Track von Chiang Mai zum Kok-River und anschliessender langer Wanderung erreichten wir die Dörfer der Hill-Tribes, wo wir übernachten konnten. Heute wäre es einfacher. Der Mae Fah Luang - Chiang Rai International Airport ist in der Nähe.

Im ersten Dorf der Karen bestand das Bett aus einer üblichen Bambus Pritsche, etwa 30 cm über der Erde. Nur war diese für Karen gebaut. Sie waren um einiges kleiner als wir. Darum hat der Chef des Dorfes gleich sein grosses Messer hervorgeholt und die Pritsche kunstvoll erweitert.
Man stelle sich einen solchen Service bei uns vor…


Von da aus war es nicht mehr weit zum goldenen Dreieck. Da musste man hin! So wie uns berichtet wurde, sind wir dabei auch zu Fuss nach Burma gekommen, was natürlich illegal war. Ausprobieren der lokalen «Kräuter» gehörte zum Konzept der Reise.

Weiter ging die Reise nach Chiang Rai per Boot auf dem Kok-River, nahe der burmesischen Grenze entlang. Da gab es etwa mal militärische Übergriffe. Gefährlich war unsere Reise nach Aussagen unserer Guides nicht, denn wir wurden wir von Thai Soldaten begleitet. Etwa mal wurde ins Gebüsch geschossen. Eine klangvolle Demonstration.

Philippinen

Luzon

Bereits im folgenden Jahr wollte ich in die Philippinen reisen. Nord-Luzon mit den Reisterrassen war das erste Ziel.

Approximative Map of Sagada and surroundings Reisanbau in den Bergen um Sagada.

Manila Downtown

Jeepneys – das ehemalige Wahrzeichen der Philippinen.
Es waren ursprünglich alte Willys-Jeeps, die die US-Amerikaner nach ihrem Abzug von den Philippinen zurückgelassen haben. Sie wurden rasch von den Philippinos zu Kleinbussen umgebaut. Jeepneys gelten als typisches philippinisches Verkehrsmittel. Sie wurden mit viel Liebe umgebaut, frisiert, verschönert und gepflegt. Es wäre doch allzu schön, sie auch bei uns zu haben. Allerdings würden sie bei unseren Verkehrskontrollen haushoch durchfallen.
Public Transport in Manila Downtown. Das war 1980. Heute sind diese wundervollen Verkehrsmittel nicht mehr zu sehen.

Die shwarz/weiss Bilder entstanden 2002 in Cebu. Die Geschwindigkeit und der Fahrstil der Philipinos lässt selbst unsere heissesten Autofahrer im Schatten stehen!

Sexy Riders…und andere Der Name ist Programm!

Die Sexy Riders Fotos inserierten mich nochmals während dem Polaroid-Hype für einige «Sofort-Bilder».
Mehr dazu später.

Mindoro, Puerto Galera

1980 war Puerto Galera einer der verlassenen Strände auf der Insel Mindoro. Dort war ich in einem Bambushaus zusammen mit der lokalen Bevölkerung.

Grossartige Gastfreundschaft der lokalen Leute.

Wundervoll gestaltetes Essen, direkt vom lokalen Markt.

Mein Begleiter wohnte in Manila und handelte mit T-Shirts. Wir haben uns im Guesthouse am Strand getroffen.

Bei Gina war ich mir nie ganz sicher ob Mann oder Frau… Er/ sie war der/die BegleiterIn des andern Rucksacktouristen im selben Guesthouse.

Camiguin, Mindanao, Davao

In Camiguin, eine kleine Insel vor Mindanao, hatte ich den ersten real eindrücklichen Kontakt mit einer Kokosnuss. Sie fiel etwa zwei Meter neben mir herunter. Welch ein Glück!

Das nächste Ziel war Davao im Süden von Mindanao. Also Überfahrt nach Cagayan de Oro, was kein Problem war. Empfohlen wurde die Strecke entlang der Küste, da es dort gut befahrbare Strassen gab. Das wären aber etwa 1000 km. Wie wäre es mit quer durch Mindanao? Im Tramper-Reiseführer stand: Vergesst die Strecke! Ich habe es aber trotzdem versucht. Nach einigem Rumfragen erhielt ich gute Informationen: um 6 Uhr morgens fährt ein Jeepney, einmal umsteigen. Dauer zwei Tage mit Übernachtung in einem Camp in den Bergen. Danach ist man bald in Davao.

Perfekt, alles kein Problem, zumindest zuerst. Bald ging es über Holperpisten. Kurz darauf war es ein richtiges Bachbett. Also aussteigen und stossen! Das Camp erreichten wir kurz vor Eindunkeln. Hier wurde ich von einer Dame herzlichst begrüsst. Sie war weiss, mittleren Alters, vollbusig, mit perfekt breitem US-Englischem Akzent und bot mir an, ihre Station zu besichtigen. Sofort willigte ich ein, musste aber versprechen, dass ich nicht fotografiere.

Was ich zu sehen kriegte war höchst interessant! Da waren Stromgeneratoren, Aircon-Anlagen, Digital Equipment Computer PDP-11 und Terminals VT52…! Ich konnte mit ihr bestens fachsimpeln.

Computer und Terminals waren mir sehr wohl bekannt. Die Computer hatten das Ausmass von Wandschränken. Ich arbeitete zuhause in Solothurn bei Autophon, wo ich angestellt war, mit denselben Geräten. Zur Erinnerung: das war im Jahr 1980. Laptops waren damals noch nicht erfunden.

Nun, rate mal, was macht man mit solchen High-Tech Geräten «in the middle of Nowhere»?

In dieser Station wurden Wörterbücher der Sprache von einheimischen Ureinwohner erstellt. Aber für was kann man solche Wörterbücher brauchen?

Sie dienen der Übersetzung der Bibel! Ich war in der Mitte des letzten weissen Flecks auf der christlichen Weltkarte.

Davao war bald erreicht. Es war der 25. Dezember 1980. Sonne, tropenhaft heiss, blauer Himmel, so wie man sich Weihnachten gerne vorstellt…

Indonesien

Tana Toraja

Die Toraja sind ein Volk auf dem Hochland Tana Toraja auf der Insel Sulawesi. Der organisierte Tourismus war schon 1980 am Aufkommen. Zahlreich waren Besucher noch nicht. Und wenn, dann war der Spuk nach einer Stunde vorbei. Ich war als alleiniger Tramper unterwegs.

Die Toraja bauen wundervolle Häuser nach architektonischen Überlieferungen aus Jahrhunderten. Ebenso berühmt sind ihre Beerdigungszeremonien.

Die Leute sind ausserordentlich freundlich. Ich wurde auch zu einer solchen Beerdigungszeremonie mit Büffelkämpfe eingeladen. Es wäre fast eine Beleidigung gewesen nicht hinzugehen.

Sumatra

Berastagi

Von Medan geht es hinauf auf das Hochplateau nach Berastagi. Hier ist ein längerer Zwischenhalt angebracht, denn der Markt ist weit mehr als sehenswert.

Die Fischdüfte am Markt sind nicht zu überriechen. Durian sind dufttechnisch noch viel intensiver. Europäer rennen meist panikartig weg. Ich liebe sie, sobald sie offen sind. Aber bis! Sie sind stachelig, fast nicht in den Händen zu halten. Ich wollte zwei am nächsten Tag mitnehmen uns stellte sie am Vorabend in mein Zimmer. Das war nicht klug, denn in der Nacht roch es so übel, dass ein Schlaf unmöglich war. Die beiden Durian wurden zum Geschenk…

In diesem Bemo, so heissen hier diese äusserst praktischen Verkehrsmittel, sass ich auch drin. Wie anzunehmen ist unter allerlei Gemüse, Früchten (inklusive Durian), Hühner, Brennholz und noch mehr.

Negaga

Meine Mutter erzählte viel von ihrer Kindheit, denn die Umgebung war «leicht» anders als das was wir hier normalerweise haben. Da war beispielsweise die Schlange im Hühnerstall, die den Ausgang ihres Bruders versperrte oder der Hund, der vom Tiger gefressen wurde. Mein Interesse war geweckt!

Mein Grossvater, geboren 1889 in Frutigen, war Arzt. Nach seinem Studium, dem schweizerischen Staatsexamen und etwas später zusätzlich dem Staatsexamen in Amsterdam in holländischer Sprache, zog es ihn mit seiner Frau in die weite Welt hinaus. Das war im Januar 1918. Er wollte als Spezialarzt für Tropenkrankheiten nach Sumatra, um dort ein Spital aufzubauen. Der Weg dorthin war nicht gerade einfach, denn es herrschte noch der erste Weltkrieg. Ihre Reise mit ihrem einjährigen Sohn war gelinde gesagt unvorstellbar schwierig, denn ein direkter Weg war unmöglich, da der Suezkanal kriegsbedingt gesperrt war.

Meine Mutter wurde 1920 in Negaga, Nord-Sumatra geboren. Die Geschichte beginnt aber etwas früher. Sie wurde mir vom Grossvater und meiner Mutter oft erzählt.

Ihre Reise ging zuerst nach Spanien. Da sechs Wochen warten auf das Schiff nach Amerika. Dann gings los. Aber nach kurzer Fahrt wurde das Schiff von deutschem Militär angehalten. Von versenken war die Rede. Nur mein Grossvater und der zweite Schweizer an Bord, Gottlieb Duttweiler, waren die einzig deutschsprechenden Personen. Nach intensiven Verhandlungen konnte das Schiff wieder nach Spanien zurückkehren. Nach einigen Wochen war die Überfahrt nach New York dann erfolgreich. Danach quer durch die USA und nochmals ein Schiff nach Sumatra.

In der Provinz Asahan Regency (Nord-Sumatra) baute mein Grossvater das Spital in Negaga auf. Die Familie wuchs, meine Mutter wurde dort als erstes Kind geboren. Vier weitere folgten.

Wenn man schon mal in der «Gegend» ist, wäre doch ein Augenschein angebracht! Meine Mutter zeichnete mir einen Plan und einigen Ortsangaben, dies nach über 50 Jahren aus ihrem Kopf heraus. Schliesslich gab es Google-Maps gab es damals noch nicht. Selbst heute ist Negaga noch nicht zu finden. Aber ich habe es geschafft! Stundenlange Fahrt per Bus entlang von vielen Palmölplantagen, rumfragen, meinen Plan zeigen…


Von der Dampflokomotive hatte mir die Mutter viel erzählt. Auf Indonesisch heisst sie «Kereta Api», was gemäss meiner Mutter zurückübersetzt «Feuerross» heisst. Richtiger wäre Feuerzug. Dies war ein direkter Hinweis, dass ich mich in etwa am rechten Ort befand.

Ich fand das Spital und wurde dort herzlichst begrüsst. Einige Fotos von meinem Abstecher sind hier zu sehen.


Hier einige Inspirationen für die Reisemöglichkeiten ab Medan und Umgebung...

Java

Reisen nach Java, Bali und weitere Inseln in Indonesien folgten. Die erste war 1980. Davon hier einige Bilder.

Von Jakarta nach Bandung führte der Weg über den Puncak-Pass. Es war kalt und neblig. Ganz ungewohnt im tropischen Klima.

Yogyakarta

Meine Reiseführer in Yogyakarta waren sehr zuvorkommend und zeigten mir viele interessante Orte. Natürlich wollten sie anschliessend auch ein Foto mit Händedruck und den Austausch der Schreibwerkzeuge, ganz so wie es Staatsoberhäupter jeweils tun. Anschliessend war ich «stolzer» Besitzer eines angekauten Kugelschreibers.

Bali

Bilder von Bali kennen wir. Darum sind diese nicht hier zu sehen.

Dafür mich mit meinem unverzichtbaren Reisegepäck mit zwei Kameras (eine für Schwarz/Weiss, die andere für Farbdias), einigen Objektiven und genügend Filmmaterial.

Die Boote sah ich frühmorgens am Blue Lagoon Beach. Die Beach gibt es heute noch, diese Boote aber nicht mehr, denn nun sind alle motorbetrieben. Dafür hat sich bei den elektrischen Installationen mit dem Drahtverhau kaum was verändert.

Erste Workshops

Viele weitere Reisen folgten. Ich will hier nur wenige erwähnen, solche die unmittelbar mit meiner fotografischen Tätigkeit zusammenhängen.

Workshop 1978 mit Jost J. Marchesi in Portugal

Portugal an die Algarve: Fotokurs mit Jost J. Marchesi. Viele Fotos, insbesondere die Polaroid-Aufnahmen habe ich leider nicht archiviert. Im Rückblick war das, was ich bei Jost lernte, wie ein fotografischer Schuss vor den Bug. Die Wirkungen dauern bis heute nach.

Workshop 1980 mit Sepp von Mentlen in Santorini

Santorini war damals das Foto-Eldorado schlecht hin. Die Sujets purzelten nur so in die Kamera hinein. Erfahrungen bei Jost J. Marchesi konnte ich mit viel Spass umsetzen.

Workshop 1981 bei Christian Vogt in Lausanne

Ich wollte meinen Beruf als Software-Entwickler aufgeben und als freischaffender Fotograf arbeiten. So meine Vorstellung. Christian Vogt war damals der wegweisende Kunstfotograf in der Schweiz, Verfasser von vielen Kunstbildbänden.

In einer, für mich sehr entscheidenden Diskussion sagte mir Christian, dass selbst er höchstens zu 20 Prozent von seiner freien Fotografie lebt. Der Rest ist Werbung. Ich blieb bei meiner «Kunst», der aufkommenden Computerei. Die Erweiterte Freizeit (Dank an die Firmen, bei denen ich angestellt war) füllte ich mit meiner wirklich freien Fotografie.

Eine Zehntelsekunde in meinem Leben

Am 26. September 1981 gab es in meinem Leben die grösste Änderung. Patrick ist in mein Leben getreten. Wir trafen uns im Berner Gay-club Ursus. Eine Zehntelsekunde beim ersten Kontakt hat genügt. Damit war alles klar. So einfach war das...!

Aus der Zehntelsekunde wurden 31 Jahre. Leider nur, es sollten noch mindestens 31 Jahre mehr werden. Daraus wurde leider nichts. Nach kurzer Krankheit endete Patricks Leben am 23. Dezember 2012.

Patrick war, ist und bleibt mein Lebenselixier.

Die Durchsicht meines Archivs hat mir dies bestätigt. Da sind viele Fotos, die wieder viele Erinnerungen hervorrufen. Einiges zeige ich hier, anderes bleibt im Archiv. Und das ist gut so.

Im geistigen Kontakt bleiben Patrick und ich sehr wohl noch sehr fest verbunden.

Ursus-Club

Der Verein Ursus Club wurde 1968 gegründet, zu einer Zeit wo jede Anspielung auf die Ausrichtung des Clubs tunlichst vermieden wurde – vermieden werden musste. Nach den Statuten ging es «um die Pflege der Kameradschaft durch Zusammenkünfte und Vorträge». Gegen aussen wurde absolute Verschwiegenheit bewahrt, es gab strenge Eintrittskontrollen und die Sittenpolizei hielt ein wachsames Auge auf den Kellereingang.

Der Ursus-Club war damals in der Schweiz einer der wichtigsten Keller und mit Bar und Disco für schwule Männer. Ich habe dort meinen Mann Patrick kennen gelernt. Aus einer Zehntelsekunde wurden 31 Jahre.

Für das grosse Fest zum 25. Bestehen des Clubs habe ich Fotos mit einigen Mitgliedern gemacht.

Der Club wurde 1997 aufgelöst. Der Freiraum war nicht mehr notwendig, denn die Akzeptanz schwuler Männer etablierte sich zusehends in der Gesellschaft.

2005 wurde in der Schweiz an einer Volksabstimmung das Partnerschaftsgesetz angenommen. Dass die Bevölkerung über ein solches Thema abstimmen konnte, war ein Welt-Novum! Das Gesetz trat 2007 in Kraft.

Teil 3: Der Weg ins Studio
Bild: Author Peter Andres